Deutschlandfonds: 130 Milliarden Euro sollen private Investitionen mobilisieren

20. Januar 2026|News

Der Bund bündelt unter der Dachmarke „Deutschlandfonds“ bestehende und neue Förderinstrumente mit dem Ziel, Investitionen in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro anzustoßen. Der Staat stellt dafür knapp 30 Milliarden Euro in Form von Garantien und Gewährleistungen bereit, ergänzt durch 600 Millionen Euro frisches Haushaltskapital. Mindestens 100 Milliarden Euro sollen aus dem privaten Sektor kommen. Der Fonds ist bei der KfW angesiedelt und wird von deren Vorstandsvorsitzendem Stefan Wintels gesteuert.

Adressiert werden drei zentrale Bereiche: Industrie und Mittelstand, Energieversorgungsunternehmen sowie Start-ups und Scale-ups. Für Industrie und Mittelstand sind unter anderem Bankgarantien, Bürgschaften, Verbriefungen und Wagniskapital vorgesehen, ergänzt durch die Integration des bestehenden Rohstofffonds. Im Energiesektor sollen zinsvergünstigte Kredite, staatlich abgesicherte Investitionsfinanzierungen und spezielle Instrumente für Großprojekte wie Netzausbau, Elektrolyseure und Geothermie helfen, bislang kaum absicherbare Investitionen möglich zu machen. Der Bereich Start-ups fokussiert sich auf Wachstumsfinanzierungen in DeepTech, KI, Bio- und Klimatechnologie sowie erstmals auch Verteidigungstechnologie. Neu ist zudem, dass die KfW sich künftig direkt an Start-ups beteiligen darf.

Politisch wird der Fonds als Signal für mehr Tempo und Zuversicht verkauft. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) betonte, dass öffentliche Mittel allein nicht ausreichen, während Wirtschaftsministerin Katherina Reiche den Deutschlandfonds als „sicheren Hafen“ für privates Kapital bezeichnete. Auch aus der Start-up-Szene kommt Zustimmung, da insbesondere die schwache Finanzierung später Wachstumsphasen in Deutschland seit Jahren als Standortnachteil gilt.

Gleichzeitig mehren sich kritische Stimmen. Experten bezweifeln, ob Garantien allein ausreichen, um Investoren dauerhaft zurückzugewinnen. Zwar stammen rund 90 Prozent aller Investitionen aus dem Privatsektor, doch Unsicherheit, hohe Kosten und regulatorische Hürden bremsen das Engagement seit Jahren. Zudem fällt die angestrebte Hebelwirkung deutlich geringer aus als ursprünglich angekündigt. Statt eines Verhältnisses von eins zu zehn spricht die Bundesregierung nun nur noch von eins zu vier.

Auch aus Investorenkreisen kommt Kritik an der Schwerpunktsetzung. Während der Energiesektor stark berücksichtigt wird, bleiben andere Infrastrukturbereiche wie Verkehr oder digitale Netze außen vor. Beratungen wie McKinsey sehen weiteren Reformbedarf und empfehlen klarere Zielvorgaben, ein übergeordnetes Steuerungsgremium sowie bessere steuerliche Rahmenbedingungen, um die volle Wirkung zu entfalten.

Die Bundesregierung kündigt an, den Deutschlandfonds schrittweise weiterzuentwickeln. Vorerst steht jedoch die Bewährungsprobe an: Der Fonds muss Investoren überzeugen, Projekte zügig auf den Weg bringen und zeigen, ob staatliche Garantien tatsächlich den erhofften Investitionsschub auslösen können.