Normenkontrollrat fordert einfachere Baustandards im Wohnungsbau

16. Juni 2026|News

Konkret schlägt der Normenkontrollrat vor, baurelevante DIN-Normen künftig in Leistungsstufen zu unterteilen. Bauherren und ausführende Unternehmen sollten zwischen einem einfachen, mittleren oder höheren Baustandard wählen können. Der einfache Standard würde zur Grundausstattung. Wer mehr Komfort möchte, müsste diesen ausdrücklich vereinbaren und zusätzlich bezahlen. Anforderungen an Statik, Brandschutz und Gesundheitsschutz sollen davon unberührt bleiben.

„Wer in Deutschland einfacher und günstiger bauen möchte, braucht heute oft mehr Mut als jemand, der den höchsten Standard wählt“, sagte NKR-Präsident Lutz Goebel dem Handelsblatt. Das sei ein „Systemfehler“. Nach Auffassung des NKR müssten alle Anforderungen daraufhin überprüft werden, ob sie tatsächlich notwendig seien. Im Zweifel sollten Vorgaben abgesenkt werden oder entfallen.

Hintergrund ist die angespannte Lage im Wohnungsbau. Im vergangenen Jahr wurden nur gut 200.000 Wohnungen fertiggestellt. Fachleute halten mindestens 300.000 neue Wohnungen pro Jahr für erforderlich, um den Wohnungsmangel spürbar zu lindern. Nach Schätzungen könnten durch den Verzicht auf nicht zwingende Komfortstandards bis zu 10 Prozent der Herstellungskosten eingespart werden.

Der NKR sieht vor allem die rechtliche Wirkung technischer Normen kritisch. DIN-Normen sind zwar formal privatrechtliche Empfehlungen, gelten in der Praxis aber häufig als Maßstab für die allgemein anerkannten Regeln der Technik. Wer davon abweicht, riskiert Gewährleistungsstreitigkeiten und Haftungsrisiken. Genau diese Unsicherheit führe dazu, dass Bauträger, Planer und Bauunternehmen meist den höheren Standard wählten, selbst wenn einfachere Lösungen technisch ausreichend wären.

Die Bundesregierung arbeitet bereits an Regelungen zum Gebäudetyp E. Mit diesem neuen Vertragstyp sollen die Beteiligten rechtssicher vereinbaren können, auf nicht zwingend notwendige Standards zu verzichten. Der NKR hält diesen Ansatz jedoch für zu defensiv, weil der Gebäudetyp E in der Praxis als Sonderweg oder Billigbau wahrgenommen werden könnte. Stattdessen solle der einfache Standard zur regulären Ausgangsbasis werden.